Grundsätzliches zum Thema Luftdichheit und Dampfsperren
Wenn
die Temperaturen außen sinken, dann kommen wieder die
Probleme.
Tauwasser fällt aus.
Was passiert eigentlich?
Gemäß
der DIN 4108 nehmen wir bei den Überlegungen die dort
vorgegebenen Berechnungsgrundlagen an,
die für die
Berechnungen von Tauwasserausfall gem. Tabelle A1 verwendet
werden..
Dort wird eine Außentemperatur von -10°C
angenommen. Innen werden +20°C und eine relative
Luftfeuchtigkeit
von 50 - 55% vorgegeben. Dabei liegt dann die
Taupunkttemperatur bei +10,7°C. Wird also diese Temperatur in
Grenzflächenbereichen unterschritten, fällt Tauwasser
aus.

Bild 1: Die Dämmung ist nicht ausreichend, Tauwasser an der Raumseite der Dampfsperre.
Schimmel wird sich
bilden, die Konstruktion wird geschädigt. In den Berechnungen
sollte man sich etwas Sicherheit
vorbehalten. Deswegen wird
üblicherweise eine Grenzflächentemperatur von +12,6°C
angenommen, da diese die
Grenzflächentemperatur bei
angenommen +22°C Raumtemperatur ist.
Im Übrigen kann sich
bei einer relativen Luftfeuchtigkeit von 80%, die über einen
längeren Zeitraum ansteht,
ebenfalls Schimmel bilden. Und
auch aus diesem Grund werden die +12,6°C bei einer
Innentemperatur
von +20°C angenommen.
Bild 2: Idealfall. Die Raumseite der Dampfsperre ist so warm, daß kein Tauwasser ausfällt.
Bei
allen Skizzen stellt die blaue Linie die Dampfsperre dar. Diese ist gleichzeitig
die Luftdichtschicht.
Die zweite Skizze stellt also einen Idealfall dar. Die Grenflächentemperatur
von +12,6°C ist an der Dampfsperre nicht
unterschritten. Durch den Sperrwert
der Folie und durch die luftdichte Verklebung dringt kein Tauwasser
in die
Konstruktion ein.
Ist
nun aber die Dampfsperre nicht ausreichend dimensioniert, dann kann Feuchtigkeit
in Gasform in die Konstruktion
eindringen. Dort wird
sie sich an der nächst dichteren Schicht als Tauwasser wieder
verflüssigen.

Bild 3: Der Alptraum. Tauwasser in der Konstruktion. Es ist mehr als verdunsten kann.
Schlimmer
wird es, wenn die Luftdichtschicht eben nicht luftdicht ist.Gerade in
den Übergangszeiten oder im Winter, wo
viele erst den
Innenausbau vornehmen, gelangt, wie oben dargestellt, durch
Konvektion (Strömung) eine sehr große Menge der
feuchtwarmen Luft in die Konstruktion. Die Mengen sind meistens
so groß, daß ein kurzfristiges Ausdiffundieren nicht mehr
möglich ist. Schäden an der Holzkonstruktion sind dann
unvermeidbar. Dieses wird umso schlimmer, je länger der
Zustand
der Undichtigkeit vorhält. Je nach Sperrwert der Unterdeckung und der Dampfsperre
wird die einmal eingedrungene Feuchtigkeit
zwischen der Unterdeckung und der Dampfsperre hin und her vagabundieren. D.
h., die Feuchtigkeit wird bei
diffusionsdichteren Aufbauten sehr langsam abgebaut. Dieses
passiert vor allem dann, wenn die Luftdichtschicht erst
einige
Zeit nach dem Einbau der Dämmung realisiert wird.
Die
Frage, die dabei sehr häufig gestellt wird ist die: Kann die
bereits eingebaute Dämmung drinbleiben, oder muß die
ausgebaut
und getrocknet werden?
Die Antwort ist ein klares "jein". Begründen läßt
sich das damit, daß man nur vor Ort entscheiden kann, inwieweit die
Dämmung
geschädigt ist. Bei Polystyrolen wird kaum etwas passieren, bei
Mineralwollen kommt es auf den Hersteller an.
Einige nachwachsende
Rohstoffe bei öko-Dämmungen können nur sehr geringe
Mengen Feuchtigkeit vertragen.

Bild 4: Es sind geringe Mengen Tauwasser in der Konstruktion, die aber problemlos ausdiffundieren können.
Eine
weitere Möglichkeit, bei der die Konstruktion nicht geschädigt
wird, ist der als diffusionsoffener Aufbau bezeichnete
Fall der
obigen Skizze. Tauwasser dringt zwar durch Diffusion in geringen
Mengen ein, kann aber mehr oder weniger
ungehindert durch den
Schichtenaufbau diffundieren, ohne daß es dabei zu schädigendem
Tauwasserausfall kommt.
Ein weiteres Problem kann es geben,
wenn raumseits der Dampfbremse zusätzliche Dämmungen angeordnet werden.
Zwar ist es richtig, eine Installationsebene
(s. auch
Prinzipskizze) vorzusehen, um nicht nur die Leitungen unabhängig
von der Luftdichtschicht verlegen zu können und zusätzlich die Wärmebrücke
Sparren zu minimieren, aber wird diese
Dämmung zu groß, kann die Grenzflächentemperatur an der Luftdichtschicht
zu gering werden und Tauwasser wird ausfallen.
Bei der Berechnung geht man davon aus, daß nicht mehr als 20% des Wärmedurchgangwiderstandes
raumseits
der Dampfsperre angeordnet werden. Hier müssen folglich unbedingt raumseitige
Bekleidungen, wie Gipskartonplatten
oder Holzpaneele in die Berechnungen einfließen.
Siehe hierzu auch Tauwasserausfall in Bodenräumen
© planungsgruppe dach, Dez. 2004 Artikel zum Ausdrucken