Zunehmend stellen sich wieder Beschwerden ein, weil bei den Dachflächenfenstern am Morgen der untere Rand der Fensterscheiben oder des Rahmens beschlagen oder gar ganz nass ist. Das geht soweit, dass die Rahmen der Fenster Schäden zeigen.

Die Industrie versucht seit Jahren durch verbesserte Scheiben und Rahmen/Flügel den Energieverlust zu minimieren. Die Hersteller gehen dabei von ähnlichen Grundüberlegungen aus.
Während der eine Hersteller ( Velux ) zusätzliche Dämmrahmen anbietet, die dann während der Montage der Dachflächenfenster eingebaut werden, hat der andere Hersteller ( Roto ) den zusätzlichen Dämmrahmen in das Dämmfenster bereits werksseitig integriert.

Beide Fenster werden im Gegensatz zu älteren Modellen tiefer in die Dachfläche eingebaut. Damit soll erreicht werden, dass der Zwischenraum von der Oberkante der Wärmedämmung der Dachfläche bis zum Dämmrahmen verkleinert oder ganz vermieden wird.
Ziel ist, die innere Oberfläche der Fensterahmen auf eine Temperatur von > 12,6°C zu halten. Dieser Wert entsteht wie folgt:
Üblicherweise werden Räumlichkeiten im Winter auf 20°C temperiert. Als angenehm wird dabei eine relative Luftfeuchtigkeit von 50 - 55% empfunden.
Wenn nun die Oberflächentemperatur eines Gegenstandes 12,6°C beträgt, steigt die relative Luftfeuchtigkeit hier auf 80% an. Das ist der kritische Punkt, bei dem Schimmel entstehen kann.

Beide Hersteller geben nun in ihren Informationsbroschüren an, dass sie diese kritische Marke deutlich überschreiten.
Erst beim näheren Hinsehen zeigt sich aber, dass einer der Hersteller von einer Außentemperatur von -5°C, der andere aber von -15°C ausgeht.
Letzterer hat dabei noch nach seinen Angaben eine höhere Temperatur an der Innenseite.

Schematische Darstellung des Temperaturverlaufs bei den Fensterrahmen, die beide zusätzliche Dämm-Maßnahmen beinhalten. Bilder:Velux/Roto

Aber für das Tauwasser an den Fensterscheiben sind die Übergänge an den Rahmen zum Innenfutter/zur Innenbekleidung der Dachflächenfenster nicht ausschließlich verantwortlich.

Ein wesentlicher Punkt ist der Umstand, dass die Dämmstoffdicken bei unseren Dächern in den letzten Jahren erheblich zugenommen haben. Die Folge ist, dass die Fenster immer tiefer in Nischen sitzen. Nunmehr kann warme Innenluft nur noch unzureichend an den Fenstern vorbeistreichen. Die in der Luft enthaltene Feuchtigkeit wird aber trotzdem an die kalten Scheiben abgegeben.

die unteren Ecken der Dachflächenfenster sind bereits angegriffen an dem Flügel ist ein Verdunklungsrollo angebracht

Bei den beiden Bildern oben ist zusätzlich noch ein Verdunkelungsrollo am Flügel angeordnet. Die Aluleisten seitlich und die Leiste, an der das Rollo nach oben geführt wird, behindern die Wärmezufuhr enorm. Die Folgen sind eindrucksvoll zu sehen.

Ursache für die mangelnde Konvektion ist oftmals die gleich unterhalb des Fensterrahmens angeordnete Fensterbank. Sie verhindert leider erfolgreich, dass die warme Luft an die Unterkante der Fenster gelangt, da sie im Bereich der Bank verwirbelt.
Unglücklicherweise ist dabei die Größe des Fensters unerheblich.
Abhilfe kann hier nur insofern geschaffen werden, dass zunächst von der Unterkante des Fensterrahmens eine senkrechte Bekleidung erfolgt, die dann ihrerseits nach etwa 15 - 20 cm auf die waagerechte Fensterbank stößt.
Zusätzlich ist es sinnvoll, den Sturzbereich der Innenbekleidung nicht senkrecht zum Fenster sondern immer waagerecht auszuführen.

Ein positiver Nebeneffekt ist die Tatsache, dass bei der Ausführungsart rechts ein erheblich größerer Lichteinfall gegeben ist.

Wenn als weitere Maßnahme die sowieso erforderlichen Heizkörper unterhalb der Fenster angeordnet werden, wird der Tauwasserausfall noch weiter minimiert oder sogar gänzlich verhindert.

Eine Problemzone ist und bleibt der Bereich der Kehle. Hier kann oftmals nur sehr wenig Wärmedämm-Material eingebaut werden, weil der Platz zwischen Unterkante Kehle direkt am Fensterrahmen und der inneren Bekleidung sehr gering ausfällt (vergl. rechte Skizze).

Beide Dachflächenfenster müssen luftdicht an die Luftdichtschicht, meistens übernimmt die Dampfbremse diese Funktion, angeschlossen werden. Velux bietet hierfür vorkonvektionierte Formteile einer Dampfbremse an.

Letztlich muß aber gesagt werden, dass trotz allem Fortschritts und Verbesserungen an den Dachflächenfenstern eine ausreichende Lüftung der Räumlichkeiten einen wesentlichen Anteil an der Verringerung von Tauwasserausfall hat.

(c) planungsgruppe dach 02/2006