Der sommerliche Hitzeschutz.

Kaum kommt die warme Jahreszeit, so wird es wieder warm unter Deutschlands Dächern.
Dabei müsste das eigentlich nicht sein. Allerdings muß der sommerliche Hitzeschutz
geplant werden. Dabei reicht es aber nicht aus, sich blindlings auf so manche Aussagen
von der Industrie zu verlassen.

Eine solche Aussage, die zumindest sehr hinterfragenswert erscheint, ist die nach der
Anordnung von Masse im Bereich der Dachflächen.
So manch einer behauptet unnachgiebig, dass Masse allein das Maß aller Dinge sei.
Eine aus Erfahrung nur teilweise zutreffende These. Denn auch wenn die Masse mehr Wärme
aufnehmen kann als leichte Baustoffe, so braucht sie dennoch länger die aufgenommende
Wärme wieder abzugeben. Der Ehrlichkeit halber sei gesagt, dass Masse schon einige Zeit
braucht, um soviel Wärme aufzunehmen, damit sie z. B. 1°C wärmer wird als vor der Wärmezufuhr.
Diese Wärme gibt das Bauteil dann in gedämpfter Form und zeitverzögert an den Innenraum weiter.
Das nennt sich dann die Temperatur-Amplitudendämpfung (TAD).
Der Wert der TAD muß bei Dachkonstruktionen > 5 sein.

Unterstellen wir also, dass Masse dem sommerlichen Hitzeschutz dienlich sein kann.
Bleibt die Frage nach der Anordnung, sprich:"wo baue ich die Masse so ein, dass ich den
größt möglichen Nutzen erhalte?"

Die Antwort ist vereinfacht gesagt:"Raumseits einer Wärmedämmung".

Begründung: Die modernen Dämm-Stoffe sind durchaus in der Lage, von außen hinzugeführte
Wärme abzuhalten. Selbst wenn bei der Mineralfaser immer wieder das Gegenteil behauptet
wird. Hierzu müssen entgegen allen "Vorführungen" und "Glühlampenversuchen" zum
Beispiel die Holzsparren als Speichermasse mit berücksichtigt werden. Sie bilden die bei der
Mineralfaser selber eher fehlende Wärmekapazität. Das war besonders dann erforderlich, wenn
wir die Häuserdämmungen aus den 70er Jahren betrachten.
Bei neueren massiv erstellten Häusern, die gem. der WSchVO oder nach der neuen EnEV erstellt wurden , sind die
Dämmstoffdicken bereits so hoch, dass auch hier eine geringere Menge Wärme in die Konstruktion
eindringt. Dadurch reicht im Prinzip eine geringere Masse auf der Raumseite der Wärmedämmung.
Lediglich bei einer Holzkonstruktion des Gesamtobjektes muß mehr Masse erbracht werden.
Das kann durch die Verdoppelung der Innenbekleidung erreicht werden.
Z. B. Spanplatte oder Profilholz mit einer Dicke von > 19 mm, alternativ Gipsbauplatten > 25 mm
und/oder Spanplatte
> 9 mm plus GKP > 15,5 mm.

Als Beispiel dient: 180 mm Zwischensparrendämmung WLG 035 W/mK in Verbindung mit
einer GKP 12,5 mm. Der sich daraus ergebene TAD ist 9 und damit höher/größer als die geforderten 5

Das größte Potential Wärme in das Haus zu holen sind sicherlich die Dachflächenfenster.
Bei unsinnig angeordneten und nicht ausreichend verschatteten Fenstern wird die gesamte
Diskussion über Masse und Wärmespeicherung überflüssig.
So schreibt die DIN 4108-2:2003-07
"Große Fensterflächen ohne Sonnenschutzmaßnahmen und geringe Anteile insbesondere innenliegender
wärmespeichernder Bauteile können im Sommer eine Überhitzung der Räume und Gebäude zur Folge haben".
Sie führt weiter aus, dass ein wirksamer Schutz transparenter Außenbauteile durch eine bauliche Gestaltung
oder mit Hilfe außen- oder innenliegender Sonnenschutzvorrichtungen und Sonnenschutzverglasungen
erreicht werden kann. Zusätzlich weist die DIN auf den Umstand hin, dass bei Dachflächenfenstern
bei Ost-, Süd- oder Westausrichtung ein wirksamer Sonnenschutz wichtig ist.

In der DIN wird in der Tabelle 7 aufgezeigt, dass bei bestimmten zulässigen Werten des Grundflächen
bezogenen Fensterflächenanteils auf einen sommerlichen Wärmeschutznachweis verzichtet werden kann,
wenn die Werte unterhalb dessen liegen.
Bei einer Neigung von 0° bis 60° Neigung der Fenster gegenüber der Horizontalen kann bei allen Orientierungen
dann auf den Nachweis verzichtet werden, wenn der Grundflächen bezogene Fensterflächenanteil bei 7 liegt.

(c) stefan ibold 2005