Ich versuche einmal, die Tauwasserproblematik etwas transparent zu gestalten.
1. Ein Problem bei Wohnraum-Dachfenstern ist, dass diese sehr tief in den Laibungen liegen. Je dicker die Wärmedämmung der Dachflächen ausgebildet wird/ist, desto tiefer wird die Laibung. Das ist deshalb ein Problem, weil die warme Luft, die im Raum zirkuliert, kaum mehr in alle Ecken der Laibungen und damit der Fensterrahmen kommen kann. ABER: die Luftfeuchtigkeit in dem Raum breitet sich gleichmäßig aus. Die Fensterrahmen, egal welcher Hersteller die gebaut hat, sind immer der kühlste Bereich, dieses insbesondere bei neueren Fenstern mit extrem dämmenden Verglasungen.
Gelangt also die normale Raumluft an den kühlen Rahmen, fällt das in ihr enthaltene Wasser in gasförmigen Zustand als Tauwasser (tropfbarer Zustand) aus.
2. Die Hersteller sind sich unisono einig, dass es sehr empfehlenswert ist, dass Heizkörper unmittelbar unterhalb der Fenster eingebaut/angeordnet werden. Damit soll die erwärmte bzw. warme Luft an den Fensterrahmen besser vorbeistreichen können und die Luftfeuchtigkeit mitnehmen. Das allerdings funktioniert nur dann wirklich sinnvoll, wenn statt einer waagerechten Fensterbank nur eine senkrechte untere Laibungsbekleidung eingebaut ist. Und die wiederum benötigt am oberen Laibungsende eine Bekleidung, die mindestens schräg nach oben verläuft, da sich andernfalls dort eine Verwirbelung einstellt, die die Luft abkühlen lässt und damit wieder Tauwasserausfall erzeugt.
Heizkörper unterhalb von Fenstern, bzw. vor Fenstern sind ohnehin sinnvoll, weil dadurch eine Thermik im Raum entsteht, die dafür Sorge trägt, dass der Raum gleichmäßig erwärmt wird. Die warme Luft oberhalb des Heizkörpers steigt auf und kalte Luft unterhalb des Heizkörpers wird nachgezogen. Durch den Unterdruck wird die Raumluft insgesamt in eine Drehbewegung versetzt, die warme Luft verteilt sich gleichmäßig.
3. Die zusätzlichen Dämmrahmen und die damit verbundenen Mehrleistungen können nach hiesiger Ansicht nur einen kleinen Teil verbessern, da die Fensterrahmen durch die Lüftungsebene zwischen den Eindeckungen und den Zusatzmaßnahmen (Unterdeckbahnen, Unterdeckplatten, etc.) ständig mit kalter Luft umspült werden.
Eine Raumtemperatur von ca. + 20 °C bis + 22 °C ist als normal zu bezeichnen in Räumen, die dem dauernden Aufenthalt für Personen dienen. Die dabei kritische rel. Luftfeuchtigkeit beginnt bei etwa 55 % und mehr. Eine zu geringe rel. LF unter 45 % bringt bei den Bewohnern Probleme mit den Schleimhäuten und sollte deshalb nur temporär vorhanden sein. Es ist also notwendig, dass eine konstante/regelmäßige Kontrolle der rel. LF erfolgt und dann das Lüftungsverhalten entsprechend angepasst wird.
Und hier müssen wir zwischen den Räumen unterscheiden in:
Badezimmer, Schlafzimmer, Kinderzimmer, Wohnzimmer, Küche sowie wenig genutzten Zimmern (homeoffice).
In Badezimmern und in der Küche fällt die meiste Luftfeuchtigkeit an. Hier ist also der größte Lüftungsbedarf. Das fällt aber meistens nicht sofort auf, da in diesen Räumen die Raumtemperaturen oftmals am höchsten sind, so dass die Raumluft die meiste Feuchtigkeit in gasförmigen Zustand aufnehmen können. In den geomoetrisch bedingten kühlsten Ecken fällt dann aber ebenso häufig das Wasser als Tauasser wieder aus es entsteht Schimmel.
In Schlafzimmern ist die Temperatur hingegen meistens bei ca. + 18 °C und kann deshalb schon weniger Feuchtigkeit aufnehmen. Pro Nacht und Person im Schlafzimmer werden ca. 2 – 3,5 l Feuchtigkeit durch Atmen freigesetzt. Im Bereich der Wohnraumdachfenster fällt diese Feuchtigkeit am schnellsten wieder als Tauwasser aus.
In Kinderzimmern, die Tagsüber aufgewärmt und durch Spielen auch mit mehr Feuchtigkeit belastet werden, muss die Feuchtigkeit durch Querlüften vor dem Schlafengehen fortgelüftet werden, denn zum Schlafen wird die Raumtemperatur idR abgesenkt und Tauwasser kann ausfallen.
Fazit: Tauwasser an Wohnraumdachfenstern ist (fast) normal, muss aber, um Schimmel vorzubeugen, konsequent und regelmäßig fortgelüftet werden.